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Bildung Kinder Gleichstellung

schmidta 300x300Die SPD Sachsen-Anhalt lehnt die von Bildungsminister Marco Tullner (CDU) geplante Kürzung von Lehrkräftezuweisung und Stundentafel für Sekundar- und Gemeinschaftsschulen ab. Nach einer Sitzung des SPD-Landesvorstands am gestrigen Samstag erklärte der Landesvorsitzende Andreas Schmidt

„Durch Lehrkräftemangel ist die Unterrichtssituation an vielen Schulen des Landes längst katastrophal. Der Bildungsminister versucht jetzt, das Feuer mit Kerosin zu löschen. Den Preis zahlen die Schülerinnen und Schüler. Wenn die geplanten Eingriffe Wirklichkeit werden, droht die Sekundarschule zur Restschule zu verkommen, und die Gemeinschaftsschule kann nicht mehr den Weg zu  Abitur ebnen. Damit wird ein wichtiger bildungspolitischer Fortschritt Sachsen-Anhalts aus der letzten Wahlperiode torpediert und die ohnehin geringe Durchlässigkeit unseres Schulsystems weiter erschwert.

Wir appellieren an den Bildungsminister und die CDU, das Vorhaben fallenzulassen. Die SPD wird sich dafür politisch nicht in Mithaftung nehmen lassen und es weder im Landtag noch in der Landesregierung unterstützen, sondern alles daransetzen, dass Sekundarschule und Gemeinschaftsschule stattdessen gestärkt werden. 

Eine Bildungsoffensive für mehr Bildungsgerechtigkeit im digitalen Zeitalter wird eines unserer zentralen Wahlkampfthemen sein. Eine starke Gemeinschaftsschule steht dabei im Mittelpunkt.“

Zum Hintergrund:

Sekundar- und Gemeinschaftsschulen sollen aufgrund des neuen Unterrichtsorganisationserlasses zukünftig nur noch ein minimales Bildungsangebot vorhalten.

Seit 2016 ist das Arbeitsvermögen je SchülerIn in Sekundar- und Gemeinschaftsschulen bereits um ca. 15 Prozent gesunken. Die wenigen und halbherzigen Versuche des Ministers, das Einstellungssystem zu modernisieren, waren weitgehend erfolglos. Die Schere zwischen Personalabgängen und Einstellungen öffnet sich immer weiter, Sekundar- und Gemeinschaftsschulen bluten aus.

Jetzt reagiert Bildungsminister Tullner schon zum zweiten Mal in dieser Legislaturperiode mit einer massiven Kürzung der Zuweisung. Neu ist, dass die Kürzung in diesem Falle auch noch von einer systematischen Einschränkung des Bildungsangebots durch Kürzung der Stundentafel auf das in Deutschland vereinbarte Minimum begleitet wird. Damit werden der Hälfte der Schülerinnen und Schüler an weiterführenden Schulen viele Bildungschancen genommen. In den Klassen 5 bis 10 erhalten Schülerinnen und Schüler an Gemeinschaftsschulen künftig rund 30 Wochenstunden weniger Unterricht. Diese Kürzung entspricht dem Umfang eines kompletten Schuljahres.

Im vergangenen Jahr zeigten bundesweite Leistungsvergleiche bereits eine deutliche Verschlechterung der Leistungen unserer Schülerinnen und Schüler auf. Eine Ausdünnung des Bildungsangebotes an Sekundar- und Gemeinschaftsschulen wird keinesfalls zu einer notwendigen Leistungssteigerung führen können. Zudem sind gravierende Auswirkungen für die duale Berufsausbildung zu erwarten.